OskarMaria lebt und arbeitet in Frankfurt - hier mit Sohnemann. Wenn freie Zeit fürs Internet bleibt, dann gibt es hier neue Beiträge. Lieblingszitat: "Von den Dreien, Staat, Regierung und Ich - bin ich der stärkste. Das merkt euch!" (Ret Marut aka B. Traven im Ziegelbrenner)
Nachtrag: OskarMaria das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. "Verbrennt mich!" schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, "nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!" Schließlich floh er in die USA - dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York. Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
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Nortec Collective
Geschrieben von: MorPHeus
Donnerstag, den 28. November 2002 um 11:06 Uhr
Nortec, das Kollektiv von mehreren Musikern, hat mit dem eigenwilligen Crossover von Techno und mexikanischer Polka eine kleine Revolution ausgelöst. Fussible (Pepe Mogt), Bostich (Ramon Amezcua), Clorofila (Jorge Verdín), Hiperboreal (Pedro Gabriel Beas), Panoptica, Terrestre und PlanktonMan sind die Macher. Sogar internationale Labels fragen an. Den Platz im Herzen Mexico Citys, den Zócalo, haben sie bereits zweimal mit bis zu 60.000 beglückten Ravern gefüllt.
Fussible - Nortec Collective: "Ich erinnere mich, es hatte mir echt einen Schock dem Megarave versetzt, als wir auf dieser großen Bühne standen auf dem Riesenplatz Zócalo und dachten, ok, wir bringen 1.000-2.000 Leute zusammen. Zuerst kamen ganz wenige, dann plötzlich kamen sie in Massen, wie wenn sie zu einem Krieg oder so was gehen würden."
Donnerstag abend, Mexico City: Bostich und Fussible bereiten ihren Gig vor in der "Eckzahn"-Bar - einem angesagten Techno/Houseclub. Schon seit 10 Jahren experimentieren die Nortec DJs mit Elektrosounds und Folklore. Letztes Jahr erschien Nortec`s erste weltweit vertriebene CD: Tijuana Sessions. Spätestens seitdem ist der Andrang zu ihren Gigs enorm.
Fussible - Nortec Collective: "Von Anfang an haben wir Witze gemacht und gesagt, das Schlimmste, was wir machen könnten, wäre musica nortena zu mixen. Weil das ist die Musik, die es schon immer in Tijuana gab. Du hörst sie überall. Wir konnten sie nie leiden, weil sie eben die typische folkloristische Musik ist. Dann, als die Idee aufkam, hatte uns sogar schon die Presse, die uns seit 10 Jahren begleitet, gesagt, wir sollten das doch mal mixen. Darüber haben wir nur gelacht und sogar gedacht, das wäre total durchgeknallt."
Der durchgeknallte Sound schlug ein und zum ersten Mal ist mexikanischer Elektro auf internationalen Labels präsent - in Deutschland bei Gigolo Records von DJ Hell.
Tijuana, die Grenzstadt zu den USA, hier leben die Musiker und hier kommt ihre Musik her. Endstation vieler, die es nie in die verheißungsvolle "Erste Welt" (ironisch!) geschafft haben - und gleichzeitig legendäres Sünden-Babel der Amis: Prostitution, Drogen, Casinos. In den Fischrestaurants läuft das traditionelle musikalische Rohmaterial von Nortec: Musica Nortena. Deutsche und tschechische Immigranten importierten Mitte des 19. Jahrhunderts Polkas und Walzer samt Instrumenten. Gemixt mit tropischen Rythmen wurde daraus die "mexikanische Polka".
Fussible - Nortec Collective: "Die erste Reaktion der Polkamusiker, die wir Soundbites einspielen ließen, war Lachen. Sie fanden den Klang einfach lustig und meinten das sei Disco, Disco-Sound mit norteno. Aber sie haben das nicht wirklich ernstgenommen und trotzdem mitgemacht. Und ordentlich abgelacht dabei."
Wenn sie heute feiern, lacht keiner mehr. Nortec wurde für die Kulturszene in Tijuana zum Vorreiter. Designer und Modemacher schlossen sich dem Musikerkollektiv an, Filmschaffende kreieren Kunstvideos zu ihren Sounds. Endlich gibt es ein Konzept, um das langjährige Verliererimage abzuschütteln.
Bostich - Nortec Collective: "Viele Leute sind wegen Nortec nach Tijuana zurückgekehrt. Für sie war es total überraschend, wie in einem Land, in dem es eine Kultur der elektronischen Musik fast nicht gibt, in dem Technologie nicht vorherrschend ist, ein Dritte-Welt-Land in Anführungszeichen, so etwas wie Nortec existiert. Daher war Nortec wie eine Tür, um auch andere Sachen neben der Musik zu entdecken."
Mittlerweile ist Nortec bei jeder Reise mit dem Laptop unterwegs, um Soundbites aller Art zu sammeln - ob als Ehrengäste auf angesagten Elektro-Festivals oder international unterwegs zu Gigs. Sie gelten heute als erfolgreichste mexikanische Elektro-Mixer. Ihr Ziel war das nie.
Fussible - Nortec Collective: "Nortec war ein Experiment und es gab nie einen Plan. Alles hat sich einfach so ergeben, ganz natürlich, deswegen gibt es auch keinen Plan für die Zukunft. Jeder entscheidet, was er machen will, dann bringen wir alles zusammen, fusionieren es und so geht es auch weiter."
Eine Zukunfts-Idee gibt es: Eine von Nortec beschallte Kunstgalerie, in einer tragbaren Brücke über die mexikanisch-amerikanische Grenze.
Jetzt kann man sich auch bei Amazon mit mp3-Musik eindecken. Die Titel sind mit 256 kBit/s kodiert, angeblich hält das Internet-Versandhaus über fünf Millionen Stücke vorrätig. Will man einzelne Titel herunterladen, dann geht das ohne extra Software. Doch für ganze Alben muss man den Amazon-Downloader installieren. Auch hier wird der Verbraucher wieder unnötig gegängelt. Angeblich gäbe es im Moment 2000 Alben zum Einführungs-Sonderpreis für unter fünf Euro, doch im Gegensatz zu Saturn konnte der Autor keine finden, die seinem Musikgeschmack entsprechen. Selbst olle Kamellen sind deutlich teurer. Keine Ahnung wie sich die mp3-Preisgestaltung im Einzelnen gestaltet: Fast 10 Euro für ein Album, das schon einige Jahre auf dem Buckel hat, sind ein deutlich überhöhter Preis. Da die Distribution via Internet fast nichts kostet, wird die Beute wahrscheinlich hauptsächlich zwischen Händler und Plattenfirma verteilt. Es wäre interessant zu wissen, wie viel davon bei den beteiligten Künstlern ankommt. Der Lernprozess im Musikbusiness scheint noch nicht abgeschlossen. OskarMaria, 01.04.2009
Kostprobe auf neues Album
Lhasa de Sela, musikalische Grenzgängerin zwischen Mexiko und Kanada, arbeitet an einem neuen Album. Das teilt zumindest ihre Webseite mit, die ansonsten aber kaum etwas inhaltlich zu bieten hat. Das Album soll am 21. April 2009 in Europa erscheinen, mehr Informationen dazu gibt es aber nicht. Als kleine Kostprobe wird allerdings eine Singleauskopplung angeboten, die musikalisch gesehen, Altbekanntes von der Sängerin bietet, die wir aber trotzdem unseren Lesern nicht vorenthalten wollen:
Oskarmaria, 24.03.2009
Musik vom Saturn
Im Internetshop der Kaufhauskette Saturn gibt es bis Ende März Sonderangebote. Alben können für fünf Euros als mp3 ganz ohne Kopierschutz und lästige Zwangssoftware heruntergeladen werden. Der Autor hat den Download-Laden gerade mal getestet. Tatsächlich finden sich auch seltene Titel im Angebot, die es als CDs nicht mehr gibt. Man muss sich registrieren, kann dann per Kreditkarte oder per Lastschrift bezahlen. Nach der Kasse bekommt man einen Link zum Download, den man bis zu drei Mal wiederholen kann. Beim Autor gab es Schwierigkeiten. Die ersten beiden Downloads blieben alle hängen, erst beim Dritten klappte es. Die Geschwindigkeit war allerdings dürftig - immer wieder stockte das Herunterladen und setzte sich erst nach längeren Pausen wieder fort. OskarMaria, 13. März 2009
Fabchannel zieht den Stecker! Gerade erreicht mich die Mitteilung, dass Fabchannel zum 13. März 2009 aufgibt und den Stecker zieht. Das ist schade, denn ich hatte mich als Autor sehr an das Angebot der Holländer gewöhnt und einige Beiträge auf den von Fabchannel mitgeschnittenen Konzerten im Amsterdamer Paradiso aufgebaut. Bitte nutzt die Zeit noch um die drei hervorragenden Konzerte von Calexico, Iron & Wine und Rodrigo y Gabriela Euch anzuhören. Alle drei sind es wert!
Die professionell mitgeschnittenen Konzerte von Fabchannel waren wohl den Musiklabels ein Dorn im Auge. Nach Angaben von Justin Kniest von Fabchannel, hätten immer mehr Labels die Veröffentlichung verboten. So dass für Fabchannel kaum noch interessante Mitschnitte übrig blieben. Doch der Autor vernutet, dass es sicher auch andere kommerzielle Hintergründe gibt, denn Fabchannel lag kein stimmiges Geschäftsmodell zugrunde und hatte wohl auch keinen potenten Investor im Hintergrund. OskarMaria, 06.03.2009